Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, dass 2010 erschienene Buch “Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude” von Arye Sharuz Shalicar zu lesen. Darin erzählt der Neu-Israeli und gebürtige Deutsch-Iraner Sharuz über seine Kindheit und Jugend im Wedding als waschechter “Kanakenjude”, der unter Arabern ein Jude ist, und für die Deutschen ein “Türke”.

Ich stand dem Buch eher skeptisch gegenüber, da Sharuz mittlerweile Sprecher für die israelische Armee ist, und ich befürchtete eines dieser “Man kann in Deutschland als Jude nicht leben”-Büchern in der Hand zu halten, mit der Aufforderung so bald wie möglich nach Israel auszuwandern, oder zumindest mit einem Sarrazin-like Abgesang auf Multikulti.

Doch jeder, der in Deutschland aufgewachsen ist und nicht den Dauerschutz einer wohlhabenden “rein-Deutschen” Nachbarschaft genießen konnte, wird viele von Sharuz beschriebenen Anfeindungen aus dem muslimischen Milieu wiedererkennen. Ich erinnere mich noch an die Pogrom-artige Atmosphäre in den ersten Jahren nach dem 11.September und die Blindheit der Mehrheitsgesellschaft für dieses politisch unkorrekte Problem. Doch Sharuz war nach eigener Beschreibung selbst Gang-Mitglied und berichtet wie seine Gang aus Libanesen und Palästinensern ihn zeitweilig vor antisemitischen Übergriffen schützen konnte. Er ist nicht einseitig und schreibt mit einer spürbaren Wut im Bauch über die Jüdische Gemeinde in Berlin, die ihn als persischen Juden als Juden zweiter Klasse behandelt habe.

Die Geschichte wirkt größtenteils authentisch, deshalb empfehle ich hiermit JEDEM, der auch zwischen Public Enemy, Fußballplatz und “Ualla du Jude” aufgewachsen ist, ganz uneingeschränkt die Lektüre.

Hier ist Sharuz Shalicar in seinem neuen Job: